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1.12.2025
Oliver Jaggy verteidigt erfolgreich seine Dissertation
Oliver Jaggy, ehemaliger Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Realitätsnahe Darstellungen am IWM, hat kürzlich seine Dissertation zum Einfluss der Stimmähnlichkeit auf kognitive Prozesse erfolgreich verteidigt.
In der Dissertation mit Titel „The Influence of Voice Similarity on Cognitive Processes“ untersuchte er, wie wahrgenommene Stimmähnlichkeit unsere sozialen Bewertungen und kognitiven Prozesse beeinflusst. Damit beschäftigte er sich mit einem Forschungsfeld, das mit der zunehmenden Personalisierung von Sprachsystemen immer relevanter wird.
Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Beobachtung, dass Text-to-Speech-Systeme heute Stimmen erzeugen, die menschlicher Sprache täuschend ähnlich sind. Die zentrale Frage lautet: Können solche synthetischen Stimmen, die der eigenen ähneln, Sympathie und Vertrauen fördern und sogar unsere Entscheidungen beeinflussen?
Die Ergebnisse sind ebenso spannend wie differenziert. Stimmen, die der eigenen ähneln, werden tatsächlich als sympathischer und vertrauenswürdiger wahrgenommen.
Bei Entscheidungsprozessen zeigte sich jedoch kein klarer Vorteil für ähnliche Stimmen – stattdessen traten komplexe Interaktionseffekte auf, die auf subtile Aufmerksamkeitsprozesse hindeuten. Besonders brisant ist der Befund zum sogenannten Illusory-Truth-Effekt: Ähnliche Stimmen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass falsche Aussagen für wahr gehalten werden. Damit beeinflusst Stimmähnlichkeit nicht nur soziale Bewertungen, sondern auch grundlegende kognitive Prozesse der Wahrheitszuschreibung.
Mit diesen Erkenntnissen leistet die Dissertation einen wichtigen Beitrag zur Forschung über auditive Ähnlichkeit und eröffnet spannende Perspektiven für den Umgang mit personalisierten Sprachsystemen in der Zukunft.