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Wie viel Unsicherheit verträgt Wissenschaftskommunikation?

© IWM
Julia Thomas im IWM-Foyer mit dekoriertem Doktorhut nach ihrer Dissertationsverteidigung
Julia Thomas nach der erfolgreichen Dissertationsverteidigung am IWM

28.1.2026

Julia Thomas verteidigt erfolgreich ihre Dissertation

Wie lässt sich wissenschaftliche Unsicherheit transparent vermitteln, ohne das Vertrauen in Forschung zu gefährden? Dieser für Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen zentrale Frage widmet sich Julia Thomas in ihrer Dissertation „Perceptions of Research Process Presentations: Credibility and Tentativeness of Research Findings“, die sie kürzlich erfolgreich verteidigt hat.

Unsicherheit als Herausforderung der Wissenschaftskommunikation

Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist ein grundlegendes Spannungsfeld der Wissenschaftskommunikation: Forschungsergebnisse werden außerhalb der Wissenschaft häufig als endgültig wahrgenommen, obwohl sie im wissenschaftlichen Diskurs grundsätzlich vorläufig sind. Diese Diskrepanz kann zu Missverständnissen und Vertrauensverlust führen. Julia Thomas untersuchte daher, wie sich Vorläufigkeit verständlich und wirksam kommunizieren lässt.

VideT: Forschungsprozesse sichtbar machen und Vertrauen stärken

Im Rahmen des Projekts VideT entwickelte die Doktorandin aus der Arbeitsgruppe Wissenskonstruktion ein videobasiertes Transferinstrument, das authentische Forschungsprozesse aus der Fledermausökologie visualisiert. In drei Studienpaketen variierte sie Medienformate (Text vs. Video), Zielgruppen (Studierende, Schüler*innen, Öffentlichkeit) sowie Forschungskontexte (Thailand vs. Deutschland).

Die Ergebnisse zeigen: Erklärende Darstellungen und Einblicke in wissenschaftliche Denkprozesse erhöhen die Wahrnehmung von Vorläufigkeit. Während dies bei Studierenden mit einer geringeren Zuschreibung von Glaubwürdigkeit einherging, ließ sich Unsicherheit in der allgemeinen Bevölkerung transparent vermitteln, ohne Vertrauen zu verlieren.

Die zentrale Erkenntnis: Epistemische Transparenz ist ein Schlüssel für Vertrauen und wissenschaftliche Kompetenz. Wissenschaftskommunikation sollte die Sichtbarkeit wissenschaftlichen Denkens stärken – als Grundlage für kritisches Denken und gesellschaftliches Engagement.



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